Auf den Bildern entdeckte der Radiologe jedoch etwas anderes: einen Tumor der Hirnanhangsdrüse, der Hypophyse. Ein Zufallsbefund – und zugleich der Beginn einer langen medizinischen Reise.
Der Patient wurde an die interdisziplinäre Hypophysensprechstunde unseres Praxiszentrums für Endokrinologie und Diabetologie überwiesen. Dort bestätigte sich der klinische Verdacht auf Akromegalie. Eine seltene hormonelle Erkrankung, bei der der Körper dauerhaft zu viel Wachstumshormon produziert.
Nur etwa 3 bis 4 von 100.000 Menschen sind betroffen.
Das Tückische daran: Die Erkrankung entwickelt sich oft langsam und beinahe unbemerkt. Veränderungen entstehen schleichend. Hände und Füße werden größer. Gesichtszüge gröber. Auch innere Organe können betroffen sein, etwa das Herz oder der Dickdarm. Viele Patientinnen und Patienten schwitzen stark, leiden zusätzlich unter Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Gelenkbeschwerden.
Im Durchschnitt dauert es etwa acht Jahre von den ersten Symptomen bis zur Diagnose.
Gerade deshalb braucht es Erfahrung. Und viele Blickwinkel gleichzeitig.
In unserem Praxiszentrum für Endokrinologie und Diabetologie begleiten wir Menschen mit seltenen hormonellen Erkrankungen langfristig und interdisziplinär. Gemeinsam mit dem Fachbereich Neurochirurgie der Poliklinik werden Patientinnen und Patienten mit Hypophysenerkrankungen regelmäßig in einer gemeinsamen Sprechstunde durch Dr. med, Uwe Lindner, FA für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie, und Dr. med. Philipp Duscha, FA für Neurochirurgie, betreut.
Für unseren Patienten bedeutete das kurze Wege und eine Behandlung aus einer Hand:
Nach der Diagnosestellung in der gemeinsamen Sprechstunde wurde die Operation durch Dr. med. Philipp Duscha im Klinikum Chemnitz durchgeführt. Auch nach dem stationären Aufenthalt blieb das vertraute Behandlungsteam an seiner Seite. Die endokrinologische und neurochirurgische Nachsorge erfolgt anschließend wieder ambulant in der Poliklinik mit regelmäßigen Kontrollen und individueller Therapieplanung.
So bleiben Diagnostik, operative Behandlung und Nachsorge eng miteinander vernetzt, über Sektorengrenzen hinweg und innerhalb eines gemeinsamen Teams.
Denn auch nach einer erfolgreichen Operation kann eine weitere medikamentöse Behandlung erforderlich sein. Hormonwerte müssen kontrolliert, Begleiterkrankungen mitbetreut und mögliche Veränderungen früh erkannt werden.
Akromegalie ist heute gut behandelbar. Entscheidend ist, dass sie erkannt wird.
Seit Mai ist unser Praxiszentrum für Endokrinologie und Diabetologie Teil unserer Praxiswelt. Dort begleiten wir Patientinnen und Patienten mit hormonellen und stoffwechselbedingten Erkrankungen ambulant und fachübergreifend.